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02.05.2016

Thementag am 21./22.04.2016: Fachwerkstatt zur Entwicklung engagement- und demokratiefördernder Infrastrukturen im ländlichen Raum

Was bewegt Infrastruktureinrichtungen zur Förderung des bürgerschaftlichen Engagements im ländlichen Raum?
Auf Einladung der bagfa und des Bundesnetzwerks Bürgerschaftliches Engagement (BBE) kamen am 21./22. April Freiwilligenagenturen, Seniorenservicebüros, Selbsthilfekontaktstellen, Mehrgenerationenhäuser und Partnerschaften für Demokratie in Goslar zusammen, um innerhalb einer Fachwerkstatt die Verbindung zwischen der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Stärkung von Demokratie in ländlichen Regionen herauszuarbeiten.

Manuel Slupina vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung stellte in seinem Eröffnungsvortrag „Von Hürden und Helden. Wie sich das Leben auf dem Land neu erfinden lässt.“ (PDF) vor, wie der demografische Wandel ganz unterschiedlich auf Regionen einwirkt und wie Projekte gelingen, die sich mit dem Erhalt von Infrastruktur (und damit auch der Sicherung von Lebensqualität) befassen, so beispielsweise Dorfläden und Bürgerbusse.

In Workshops, in denen die Vertreter/innen der verschiedenen Struktureinrichtungen bewusst „gemischt“ diskutierten, hatten die rund 50 Teilnehmenden die Möglichkeit, Themen zu identifizieren, die bei der Förderung des bürgerschaftlichen Engagements und der Demokratiestärkung im Vordergrund stehen. Den zweiten Schwerpunkt bildeten die Herausforderungen und Gelingensbedingungen für Engagementinfrastrukturen im ländlichen Raum. Die unterschiedlichen Sichtweisen der Vertreter/innen der verschiedenen Infrastruktureinrichtungen unterstrichen die Heterogenität der ländlichen Räume und verdeutlichten dabei die jeweils eigenen Handlungslogiken, deren Kenntnis für eine wirkungsvolle Zusammenarbeit unabdingbar ist.

Es  ließen sich viele Gemeinsamkeiten in der Herangehensweise zur Förderung von Demokratie und Engagement feststellen. Deshalb kann neuen  Kooperationen der unterschiedlichen Organisationen vor Ort eine sehr bedeutende und wirksame Rolle zukommen.

In einem Salongespräch berichtete die Bürgermeisterin von Goslar, Almut Broihan, darüber, wie nicht zuletzt auch das bürgerschaftliche Engagement in ihrer Kommune dazu beitragen würde, dass der Negativtrend bei der Einwohnerentwicklung gestoppt werden konnte. Das Engagement beschrieb sie als einen wesentlichen Faktor zur Stabilität und Lebensqualität vor Ort, der auch demokratiefördernd wirke.

Dr. Konrad Hummel machte in seinem Abschlussvortrag darauf aufmerksam, dass Land und Stadt jeweils unterschiedliche Systeme seien, die man in ihrer je eigenen Qualität schätzen müsse. Im ländlichen Raum stehe das bürgerschaftliche Engagement in einer direkten Verbindung zur Daseinsvorsorge. Bürgerschaftliches Engagement sei häufig eine Reaktion auf Veränderungen, Veränderungen würden allerdings nicht immer als positiv bewertet, es komme gerade in der jetzigen Zeit zu Abschottungstendenzen, zu Engagementformen, die sich gesellschaftlicher Veränderung entgegenstellten. Hierfür müssten Antworten gefunden werden, um Engagement als demokratiefördernd zu stärken.

Der Diskurs über die Rolle des bürgerschaftlichen Engagements bei der Demokratiestärkung ist aktuell und notwendig. Die Fachwerkstatt war ein Auftakt für diesen Diskurs.

Bilder:
oben: bagfa-Postkarte: "Engagement ist einzigartig" (bagfa)
unten: Arbeitsgruppe (BBE)