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07.07.2017

Bilanz der Engagementpolitik: bagfa-Geschäftsführer beim Unterausschuss Bürgerschaftliches Engagement

Zum Abschluss der 18. Wahlperiode zog der Unterausschuss „Bürgerschaftliches Engagement“ am 21. Juni 2017 ein Resümee über die vergangenen vier Jahre Engagementpolitik. Tobias Kemnitzer, Geschäftsführer der bagfa, war neben Birgit Radow vom Bundesverband Deutscher Stiftungen und Dr. Ansgar Klein vom Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement als Sachverständiger dazu eingeladen, einen Rück- und Ausblick aus Sicht zivilgesellschaftlicher Organisationen zu geben.

Der bagfa-Geschäftsführer hob in seinem Beitrag zunächst die positive Gesprächs- und Kooperationskultur zwischen dem Unterausschuss, dem Bundesfamilienministerium und der Zivilgesellschaft vor. Das Herausfordernde an der Engagementpolitik seien vor allem die verschiedenen Zuständigkeiten von Bund, Ländern und Kommunen, die begrenzten Handlungsmöglichkeiten und die Vielfalt sowohl der Akteure als auch der Themen. In den letzten Jahren habe vor allem das Engagements für, mit, und von geflüchteten Menschen gezeigt, welche gestaltende Kraft im bürgerschaftlichen Engagement stecke. Hier seien auch von staatlicher Seite viele Programme wie z.B. „Menschen stärken Menschen“ möglich gemacht worden. Wichtig sei es nun, eine Strategie zu entwickeln, die diese positive Entwicklung über kurzfristige Projekte und Programme hinaus erhalten, verstetigen und ausbauen kann. Von zentraler Bedeutung sei dabei die Förderung lokaler engagementfördernder Infrastrukturen wie zum Beispiel Freiwilligenagenturen. Auch hier werden verschiedene Ansätze wie z.B. über Programme wie „Engagierte Stadt“ oder „Demokratie leben“ ausprobiert. Es fehle aber ein gemeinsamer Ansatz der Infrastrukturfinanzierung, hinter dem sich einerseits alle versammeln können und die andererseits eine demokratische Streitkultur und den Eigensinn des Engagements zulässt.

Tobias Kemnitzer betonte in seinen Vorstellungen für die Engagementpolitik der kommenden Jahre, dass es nötig sei, eine „(neue) Vision“ von Engagement zu schaffen – quasi einen „Reload“ der „Enquete-Kommission zur Zukunft des bürgerschaftlichen Engagements“. Viele Fragen stünden im Raum – nicht zuletzt durch den Engagementbericht der Bundesregierung angestoßen: Was ist der Kern des (bürgerschaftliches) Engagements? Wie bekomme man eine gesellschaftliche Debatte hin? Wie könne man sich von „unzivilen“ Engagementformen abgrenzen?

Auch die Problematisierung von Monetarisierung im bürgerschaftlichen Engagement sprach der bagfa-Geschäftsführer in diesem Zusammenhang an. Der Eigensinn des Engagements drohe verloren zu gehen, wenn es zu Bezahlungen im freiwilligen Engagement komme.

Es sei wichtig, sich in der kommenden Legislatur und darüber hinaus auf Themen zu konzentrieren, die in die Breite wirken würden. Dazu gehöre z.B. auch die Frage, wie inklusiv das Engagement sei. Wer dürfe, wer könne sich überhaupt engagieren? Wie könne man über das Engagement zur Teilhabe beitragen? Als weitere Themenfelder schlug er die „Zeitpolitik“ und die „Zukunft von Arbeit“ für eine künftige Debatte vor: Es gehe laut Tobias Kemnitzer immer darum, große gesellschaftliche Fragestellungen daraufhin zu untersuchen, was das freiwillige Engagement beitragen könne – auch beim zurzeit stark diskutierten Thema „Zukunft von Demokratie.“

„Bürgerschaftliches Engagement ist die Keimzelle des demokratischen Gemeinwesens“, so der bagfa-Geschäftsführer. Wann, wenn nicht jetzt müsse also der Satz von Victor Hugo für die Engagementpoltik gelten: „Nichts ist mächtiger als eine Idee, deren Zeit gekommen ist."

Das gesamte Protokoll der 34. Sitzung des Unterausschusses bürgerschaftliches Engagement können Sie hier nachlesen.

Foto: (C) Deutscher Bundestag/ Katrin Neuhauser

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