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10.11.2017

Freiwilligenagenturen zum Thema „Neues von Alten“ mit Innovationspreis ausgezeichnet

Zum Auftakt ihrer Jahrestagung vergab die Bundesarbeitsgemeinschaft der Freiwilligenagenturen (bagfa) unter dem Motto „Neues von Alten“ am 06. November den Innovationspreis für Freiwilligenagenturen 2017. Mit dem Preis suchte die bagfa besondere und ungewöhnliche Projekte, Aktivitäten und Ansätze, die „Neues von (den) Alten“ fördern. Dabei konnte es sich um Engagement im Übergang zur nachberuflichen Phase, politische Partizipation und soziale Teilhabe alter Menschen, um die Weitergabe von Wissen und Erfahrung, um Geschichtsvermittlung oder um Öffnung von „jungen“ Bereichen des Engagements für ältere Menschen handeln, denn: Das Engagement junger Alter und alter Junggebliebener wird immer vielfältiger: zwischen Volksmusik und Rock´n Roll, zwischen Schrebergarten und Urban-Gardening, zwischen Kaffeekränzchen und Social Networks entsteht so manches abseits der erprobten Pfade und bildet so Gegenentwürfe zu Stereotypen des Alterns.

Elke Breitenbach, Berliner Senatorion für Integration, Arbeit und Soziales skizzierte die Leitlinien der Engagementpolitik des Landes Berlin. Nach ihrem wertschätzenden Grußwort verstand es der Bezirksbürgermeister des Berliner Bezirks Treptow-Köpenick, Oliver Igel, die historische Geschichte des Hauptmanns von Köpenick lebendig mit dem Thema Engagement zu verbinden. Er lieferte sich dabei mit dem Schauspieler Jürgen Hillbrecht, der in der Rolle des Hauptmanns musikalisch durch den Abend führte, von der Bühne einen unterhaltsamen Schlagabtausch.

Drei Freiwilligenagenturen wurden jeweils mit dem mit 2.500 Euro dotierten Preis ausgezeichnet und erhielten ihre Auszeichnung aus den Händen der Senatorin:

  • Freiwilligenzentrum Kassel, Graffitikurs für Senior/innen: Ein dreitägiger Workshop hat Senior/innen Graffiti als Kunst- und als Ausdruckform nahe gebracht und sie befähigt, selbst Graffitis zu entwickeln und praktisch umzusetzen. Der Workshop endete mit einer offenen Vernissage zur Präsentation der Graffitiwall, in der Unterführung am Holländischen Platz (Hopla), Kassel, zu der Alt und Jung eingeladen waren.
  • Stabsstelle Ehrenamt und Freiwilligenagentur, Landkreis Leer: Oldersumer Puppenspölers: Sechs Frauen und ein Mann zwischen 43-75 Jahren spielen seit 2007 als die Oldersumer Puppenspölers klassisches Handpuppentheater, um Spenden für Hilfsprojekte zu generieren. Die Stücke werden selbst geschrieben, Puppen und Kulissen gebaut. Der Erlös aus den Aufführungen wird an regionale und internationale Hilfsprojekte gespendet. Die Stücke fördern in ihren Aussagen Teamgeist, Toleranz und Integration. Verschiedene Altersgruppen werden aktiv integriert und die Zusammenarbeit verschiedener Dörfer im ländlichen Bereich gefördert
  • Freiwilligen-Agentur Tatendrang, München: „Whats to do?“ richtet sich via WhatsApp an Freiwillige, die sich kurzfristig, spontan und zeitlich begrenzt engagieren möchten. Pro Woche werden ein bis zwei Engagement-Angebote an derzeit 550 Freiwillige verschickt. Die Angebote erhält die Freiwilligenagentur von Einrichtungen, mit denen sie schon länger kooperiert. So ist garantiert, dass auch bei diesem Projekt die wichtigen Standards beim Freiwilligen-Management (Anerkennungskultur, Versicherung, fester Ansprechpartner etc.) gewährleistet sind.

Die Gewinnerbeiträge wurden in einem zweistufigen Verfahren ermittelt. Eine unabhängige Jury nominierte aus allen Wettbewerbsbeiträgen sechs Freiwilligenagenturen. Über die endgültigen drei Hauptpreisträger entschieden die rund 190 Teilnehmenden der Jahrestagung der Freiwilligenagenturen.

Die drei weiteren Agenturen, die es in die Endrunde geschafft hatten, wurden mit jeweils 500 Euro ausgezeichnet:

  • Freiwilligenagentur Magdeburg e.V.: „Dialog der Generationen“: Die Freiwilligenagentur fördert das Engagement älterer Menschen durch die selbstorganisierte Arbeitsgruppe „Dialog der Generationen“, in der durchschnittlich ca. 50 Senior/innen aktiv sind. Die Arbeitsgruppe befindet sich in Trägerschaft der Freiwilligenagentur, hat aber eine eigene Organisationsstruktur, um das vielfältige Engagement in den unterschiedlichen Vorhaben selbstbestimmt zu gestalten. Die Senior/innen sind in mehreren Projekten bzw. langfristigen Angeboten tätig, die sie selbst organisieren, weiterentwickeln und ausbauen.
  • Freiwilligenagentur Jena: „Eine Wiese für alle – Trüperwiese“: Die sogenannte „Trüperwiese“ stellt seit mehreren Jahrzehnten eine beliebte, öffentlich zugängliche Erholungsfläche dar. Um die ca.1,3 ha große Wiese mit ihren teilweise über 100 Jahre alten Apfelbäumen vor einer drohenden Verbuschung zu bewahren und sie langfristig als Streuobstwiese zu erhalten, stiftete die Erbengemeinschaft Trüper die Fläche 2014 der Bürgerstiftung Jena. Viele Anwohner/innen und Freiwillige der Freiwilligenagentur Jena übernehmen seitdem ehrenamtlich Teile der Pflege- und Erhaltungsmaßnahmen. Der größere Teil dieser freiwillig Engagierten sind ältere Menschen.
  • Freiwilligen-Zentrum Augsburg, Projekt „Sporadis“: Das Projekt reagiert auf veränderte Bedürfnisse der „neuen Alten“. Viele ältere Menschen haben in ihrer Rentenphase vielseitige Interessen und Aufgaben, wie z.B. Reisen, Hobbies, die Betreuung der Enkel oder die Pflege der eigenen Eltern. Auf Initiative einiger Freiwilliger ist die Gruppe Sporadis entstanden. Sie umfasst mittlerweile rund 250 Menschen, die sich eben „sporadisch" und vielseitig engagieren möchten und über neue Angebote regelmäßig per E-Mail informiert werden.

Hintergrund des Innovationspreises: Neue Ideen fördern, kreative Arbeit auszeichnen, gute Beispiele bekannt machen – das ist das Ziel des Innovationspreises, den die bagfa seit 2004 an Freiwilligenagenturen vergibt. Mit jährlich wechselnden Themensetzungen beleuchtet sie dabei unterschiedliche Arbeitsbereiche von Freiwilligenagenturen und ermutigt sie, neue Wege zu gehen. Der Preis wurde durch die Stiftung Apfelbaum (Dr. Hans-Martin Schmidt, Köln) angeregt und wird seitdem von dieser gestiftet. Für die Preise stellt die Stiftung Apfelbaum insgesamt 9.000 Euro zur Verfügung.

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