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24.05.2018

Veranstaltungsrückblick: Arbeitsforum „Stadt-Land – alles im Fluss? Freiwilligenagenturen im ländlichen Raum“

„Auf dem Land ist es aber anders?“ Dieser oft gehörten Bemerkung, wenn es um die Frage nach dem Alltag von Freiwilligenagenturen im ländlichen Raum geht, ging die bagfa am 03. Mai in Hannover mit dem Arbeitsforum Stadt-Land-alles im Fluss nach.

Die 12 Teilnehmer/innen diskutierten zunächst anhand von Gegensatzpaaren die (angeblichen) Besonderheiten des ländlichen Raumes zwischen Distanz und Nähe, Tradition und Innovation, Generalisierung und Spezialisierung sowie „Ersatz für (Verlorenes)“ und „Ergänzung von (Bestehendem)“

Es gehe auf dem Land darum, Schlüsselpersonen zu identifizieren und einzubinden, persönliche Beziehungen spielten eine größere Rolle, wenn ein Projekt gelingen solle. Freiwilligenagenturen müssten mobil sein und Angebote vor Ort in den Dörfern entwickeln, Präsenz zeigen. Es gelte traditionelle Vereine ebenso einzubinden und ihnen Angebote zu machen als auch neue Strukturen aufzubauen. Generell brauche es einen langen Atem, bis man wahrgenommen und akzeptiert werde.

Persönliche Kontakte und die Nähe der Beteiligten zueinander machten die Arbeit im ländlichen Raum ebenso aus, wie andererseits große Distanzen zu Einsatzorten und den damit verbundenen Organisations- und Zeitaufwand.

In der Diskussion über die wichtigsten Aufgabenfelder von Freiwilligenagenturen im ländlichen Raum wurden sich die Teilnehmenden recht schnell einig: die Entwicklung von Projekten und Ansätzen, wie bürgerschaftliches Engagement zur Lösung von Problemen beitragen könne und die Vernetzung und Zusammenarbeit mit gemeinnützigen Organisationen, zivilgesellschaftlichen Projekten, Initiativen und staatlichen Einrichtungen, wurden als wichtigste Punkte gesehen. Es gehe darum, das Feld des bürgerschaftlichen Engagements zu erweitern, neue Einsatzorte zu erschließen und den qualifizierten Umgang mit Freiwilligen zu fördern. Dieses Vorgehen müsste vor Ort gemeinsam entwickelt werden und könne von Dorf zu Dorf verschieden aussehen, eine Universallösung könne es daher nicht geben.

Was heißen diese Erkenntnisse nun für die Frage nach der „idealen Freiwilligenagentur“ im ländlichen Raum? Wie muss eine Struktur aussehen, die vor Ort Präsenz zeigen kann und gemeinsam mit en Bürgerinnen und Bürgern Ideen entwickeln und verfolgen kann, die zum jeweiligen Raumpassen? Zum Ende des Arbeitsforums sammelten die Teilnehmenden hierzu Ideen, die auch die weitere Beschäftigung der bagfa mit dem Thema „ländlicher Raum“ begleiten wird: Man müsse die Bereitschaft der Kommunen erhöhen, Gelder für bürgerschaftliches Engagement in die Hand zu nehmen, zum Beispiel durch eine feste Stelle auf Ebene des Landkreises zur Koordinierung des Themas. Auf der Ebene der Gemeinden brauche es Personen, die ansprechbar für das Engagement-Thema seien, um die Bedarfe direkt vor Ort wahrzunehmen. Dies könne z.B. über Engagement-Lotsen geschehen, die aber zwingend eine hauptamtliche Anlaufstelle zur Vernetzung und Weiterbildung benötigten. Auch könne es eine Möglichkeit sein, in den Gemeinden bereits vorhandene Vereine mit dem Thema „Engagementförderung“ zu betrauen und diese dafür zu qualifizieren – auch über digitale Angebote der Weiterbildung und Vernetzung.

Wichtig sei, da waren sich zum Ende alle einig, dass Kommunen und Landkreise das Thema als Zukunftsthema identifizieren müssten und nicht einfach als „nettes Beiwerk“.

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