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Die Preisträger/innen 2018

Wo schaffen Freiwilligenagenturen Kunst und Kultur? Wo gibt es interessante Partner und Netzwerke aus dem kulturellen Bereich? Wo ermöglichen Freiwilligenagenturen kulturelle Teilhabe? 

Diesen Fragen ging die bagfa mit dem Innovationspreis 2018 nach und suchte daher spannende und kulturell bereichernde, vielleicht sogar etwas „schräge“ Projekte, Aktivitäten und Ansätze, die „Kultur schaffen“.

Vier Freiwilligenagenturen wurden am 18. Juni auf Schloss Buchenau mit dem Innovationspreis 2018 ausgezeichnet und erhielten ihre Auszeichnung aus den Händen der bagfa-Vorstandsvorsitzenden Birgit Bursee, die dabei betonte: „Der Innovationspreis ist Motivation und Plattform für Freiwilligenagenturen, das Engagementfeld Kunst und Kultur neu zu entdecken.“

Der Innovationspreis wurde durch die Stiftung Apfelbaum angeregt und wird seitdem von dieser gestiftet. Für die Preise stellt die Stiftung Apfelbaum insgesamt 9.000 Euro zur Verfügung.Die Gewinnerbeiträge wurden in einem zweistufigen Verfahren ermittelt. Eine unabhängige Jury wählte aus allen Wettbewerbsbeiträgen die vier Gewinner aus. Über die Platzierung und damit die Verteilung des Preisgelds entschieden die rund 40 Teilnehmenden des Thementags „Vorhang auf!“auf Schloss Buchenau, Eiterfeld.

Die vier Gewinner:

1. Preis (3.500  Euro) EhrenamtsAgentur Weimar; „Help“ – Die Radiosendung fürs Ehrenamt in und um Weimar

Um das Ehrenamt attraktiv darzustellen und um neue Mitstreiter zu gewinnen, braucht es immer wieder neue Formate. „Help!“ ist ein selbst produziertes Radiomagazin in Kooperation mit dem Bürgerradio „Radio Lotte Weimar“. Das Thema: freiwilliges Engagement in Verbindung mit guter Musik und lockerer Unterhaltung zum Thema Helfen und zu speziellen ehrenamtlichen Einsatzfeldern im Naturschutz, Sport, Sozial- und Kulturbereich. Sendeformat: 1 Stunde, immer am 2. Donnerstag des Monats, 20 Uhr. „Help“ von den Beatles ist der Trailer und Titelsong der Sendung. Neben Interviews, Statements, Veranstaltungstipps, Diskussionsbeiträgen im lockeren Stil und aktuellen Einsatz-stellen, diskutieren die Moderatorinnen der EhrenmamtsAgentur mit Gästen auch zu politischen Themen wie dem Grundeinkommen.

Das gefiel der Jury:

  • Das Radio als Medium zu nutzen, für bürgerschaftliches Engagement zu begeistern, ist ein ungewöhnlicher Weg, mit dem neue Zielgruppen erreicht werden können.
  • Das Projekt ist gut übertragbar auf andere Freiwilligenagenturen, in deren Einzugsgebiet es Bürgerfunk gibt.
  • Dass Engagierte mit ihren Geschichten im Mittelpunkt der Radiosendung stehen, ist auch ein Teil einer Anerkennungskultur
  • Die Fokussierung der Sendungen (z.B. auf bestimmte Engagementbereiche) schafft fundierte Informationen.

2. Preis (2.500 Euro) Freiwilligenzentrum mach mitt!, Neustadt an der Aisch: Mein Lebenskoffer – ein Projekt um Lebenswerte

Im Projekt „Mein Lebenskoffer“ wurden Menschen aus allen Bereichen des Lebens und unterschiedlichen Zusammenhängen gebeten, auf ihrer Lebensreise kurz inne zu halten, um spontan eine Lebensbilanz zu ziehen und mit symbolischen Erinnerungsstücken einen Koffer zu packen. Es wurden viele Menschen in verschiedenen Lebenssituationen im Alter von fünf bis 99 befragt. Ihre Gedanken wurden gesammelt und von Schülern anschaulich gemacht. Aus jedem Interview entstand ein „Lebens-Koffer“, gefüllt mit den Gedanken und all dem, was für diesen Menschen im Leben wichtig ist und im Moment unzertrennlich zu ihm gehören. Das Ergebnis: eine sehr lebendige Koffer-Ausstellung über eine Reise ins Leben, die aus kleinen Bildern ein großes Ganzes entstehen lässt. Ein Kunstprojekt, das an verschiedenen Orten den Dialog über "Lebenswerte" schafft.

Das gefiel der Jury:

  • Die Idee nährt sich auf kreative Weise dem Thema Werte und macht diese anschaulich.
  • Es werden die essentielle Fragen von Leben und Tod sensibel angegangen.
  • Das Projekt schafft echte Begegnungen von Jung und Alt.
  • Es werden Zeitzeugen verschiedener Generationen (Bandbreite von 5-99 Jahre) ernst genommen.
  • Das Projekt ist von einem Bürger direkt an das Freiwilligenzentrum herangetragen worden und wurde mit dem Know-How und den Netzwerken des Freiwilligenzentrums entwickelt.

     

    3. Preis (1.000 Euro) FreiwilligenAgentur Marzahn-Hellersdorf, Berlin: Engagement trifft Gartenkultur – Die Volunteers der Internationalen Gartenausstellung IGA Berlin


    Vom 13. April bis zum 15. Oktober 2017 hat die IGA Berlin 2017 unter dem Motto „Ein MEHR aus Farben“ zu einem erlebnisreichen und überraschenden Festival schönster internationaler Gartenkunst und grüner urbaner Lebenskultur eingeladen. 186 Tage lang drehte sich auf 104 Hektar Fläche und bei mehr als 5.000 Veranstaltungen alles um zeitgemäße Gartenkunst und Landschaftsgestaltung, Naturerlebnisse, grüne Stadträume und Lebenskultur in unterschiedlichster Dimension und Gestalt. Die IGA Berlin 2017 war Ideen- und Impulsgeberin, Lern- und Experimentierort, eine Plattform für den Dialog der Kulturen und Labor für Innovation. Mit dem „IGA-Volunteers-Programm“ haben 250 Bürger*innen ein buntes und abwechslungsreiches ehrenamtliches Betätigungsfeld erlebt, in dem die Freiwilligen selbst entschieden haben, wann und wie oft Sie aktiv werden wollten. Pro Tag waren zwischen 20 und 60 Volunteers im Einsatz.

    Das gefiel der Jury:

    • Das Projekt weist einen Beispielcharakter für den Bereich „Unterstützung von Events“ als Zukunftsfeld für Freiwilligenagenturen auf.
    • Keine Angst vor großen Projekten: Das Volunteers-Programm zeigt auf, dass Freiwilligenagenturen auch groß dimensionierte Projekte stemmen und bereichern können.
    • Es werden Zielgruppen durch ein identitätsstiftendes Projekt für den Stadtteil mit hoher Außenwirkung jenseits des „sozialen Engagements“ erreicht.

     

    3. Preis (1.000 Euro) Zentrum Aktiver Bürger, Nürnberg: Teilhabe durch Kulturfreunde:

    Das Projekt Kulturfreunde wurde 2010 zusammen mit dem Sozialreferat der Stadt Nürnberg entwickelt. Seitdem haben mehr als 6.500 Kinder und 3.300 Eltern an dem Programm teilgenommen. Derzeit können 30 Nürnberger Kindergärten und Horte für 5-8-jährige und ihre Eltern großzügige Kultur-Gastgeber sein. Ein jährlicher Spendenetat ermöglicht Erlebnisse für Familien, bei denen Unternehmungen in Museum, Kindertheater oder -konzert bisher keine Bedeutung hatten. Das Besondere dabei ist, dass kleine Gruppen von Kindern und Eltern, die Gelegenheit erhalten zu einem für Sie ungewöhnlichen Freizeitangebot – auch am Wochenende. Organisiert und begleitet wird in einem Tandem von einer ehrenamtlichen Kulturfreundin oder einem Kulturfreund und einer pädagogischen Fachkraft.

    Das gefiel der Jury:

    • Eine Zusammenarbeit mit Kitas ist nicht an der Tagesordnung bei Freiwilligenagenturen.
    • Kulturelle Teilhabe wird als interessantes Aufgabenfeld von Freiwilligenagenturen definiert.
    • Das Einsatzfeld Kultur ist bei einer bestimmten Klientel von Freiwilligen sehr beliebt, kann häufig aber nicht von Freiwilligenagenturen angeboten werden.
    • Die aktive Beteiligung der Freiwilligen als Kulturfreunde, die auch eigene Erfahrungen und Leidenschaften bei der Auswahl der Kulturorte mitbringen, überzeugt.

    Anerkennungspreise

    Zusätzlich wurden Ceno e.V. aus Köln und die Freiwilligenagentur oskar aus Berlin Lichtenberg mit Anerkennungspreisen von je 500 Euro direkt von der Jury ausgezeichnet: Ceno für das Theaterprojekt "Der Geschmack von Sprache" von Schauspielschüler/innen mit Geflüchteten, oskar für die oskar-Gallerie, einer regelmäßigen Kunstaustellung in den Räumen der Freiwilligenagentur.

    Hier können Sie die Dokumentation des Innovationspreises 2018 herunterladen.

     

    Fotos: Lisa Schönsee, bagfa e.V.

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