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15.10.2015

Engagement von Flüchtlingen - „es war einfach total schön zu sehen, wie es tatsächlich zu den Begegnungen gekommen ist"

In unserem Storytelling-Prozess haben uns 15 Mitglieder erzählt, was sie motiviert, was das Besondere an ihrer Arbeit in den Freiwilligenagenturen ist und welche Rolle die bagfa für sie spielt.

12 Geschichtspaten haben eine Story ausgewählt, die sie gerne teilen und diskutieren möchten.

Die ausgewählte Geschichte:

Und diese Freiwilligentage laufen immer richtig gut. Und in diesem Jahr hatten wir eine Besonderheit, dass wir auch die Flüchtlinge eingeladen haben, die natürlich tagein, tagaus durch die Medien gehen als Thema, und wir gesagt haben: Na ja, die Freiwilligentage dienen der Begegnung. Warum sollen sich Flüchtlinge nicht auch engagieren können? Und das gab dann sogar einen Aufruf unter den Flüchtlingen, dass sie gesagt haben: „Leute, wir brauchen vor allem eine Aufgabe. Einmal die Woche Deutschkurs reicht nicht, wir sind jetzt hier und wir wollen uns sinnvoll in diese Gesellschaft, die wir gerne als Heimat hätten, einbringen". Und das hat mich so bewegt, als ich das gelesen habe, und dann habe ich gesagt: Okay, lasst uns bitte die gesamte Nachbarschaft, eben auch die Flüchtlinge, einladen. Der Paritätische Wohlfahrtsverband Berlin war auch sofort im Boot bei dieser Aktion. Und das werden wir auch im nächsten Jahr fortsetzen. Und bei einer Mitmach-Aktion kamen dann ein paar Flüchtlinge und haben sich dort beteiligt. Und es war einfach total schön zu sehen, wie es tatsächlich zu den Begegnungen gekommen ist und zum Austausch, und wie jetzt Folgeveranstaltungen stattfinden, wo sich die Flüchtlinge und auch die Protagonisten aus dem Verein wechselseitig einladen. Das finde ich großartig, und das werden wir im nächsten Jahr und dann sicherlich auch die Folgejahre immer wieder fortsetzen."

Anmerkungen zur Geschichte von Sabine Wolf, Referentin für Öffentlichkeitsarbeit und Qualitätsmanagement bei der bagfa

Darüber möchte ich gern reden, weil...

...niemand an dem Thema vorbeikommt: Medien berichten fast täglich über die zahlreichen Menschen und Organisationen, die sich für Flüchtlinge engagieren und Freiwilligenagenturen erleben einen Boom an Nachfragen. Ich finde es bewegend, wie viele Menschen nun mithelfen wollen und sich in neuen Initiativen organisieren und hoffe, dass dies noch lange anhält. Mich beeindrucken die Kolleginnen und Kollegen in den Freiwilligenagenturen, die sich unermüdlich den täglichen Herausforderungen stellen. Auf bagfa-Veranstaltungen oder in Gesprächen und Telefonaten spürt man neben den Anstrengungen und Anforderungen des Alltags vor allem auch, dass es den "Spirit" gibt, die Situation gemeinsam mit andern zu meistern. So könnte tatsächlich eine neue Engagementkultur entstehen, die durch gute, (geförderte!) Strukturen, auch nachhaltig wirken könnte.

Wer hätte gedacht, dass...

... einige Freiwilligenagenturen bereits seit vielen Jahren in dem Bereich tätig sind. Dies zeigt zum Beispiel die aktuelle Umfrage der bagfa unter ihren Mitgliedern: 11% der Agenturen sind schon mindestens fünf Jahre im Bereich „Engagement für Flüchtlinge" aktiv. 45% haben auf das steigende Interesse reagiert und sind seit einem Jahr in diesem Bereich tätig. Beeindruckend ist vor allem die Vielfalt der Angebote: Sie reichen von niedrigschwelligen Mitmach-Aktionen über Vernetzung lokaler Initiativen bis hin zur Moderation engagementpolitischer Prozesse. Täglich erreichen uns in der bagfa weitere Hinweise auf Aktivitäten von Freiwilligenagenturen, die wir nach und nach in unseren Infopool zum Thema „Engagement für Flüchtlinge" auf unserer Website einpflegen.

Ich finde es schön, dass...

...in dem Beispiel tatsächliche Begegnungen zwischen Menschen stattfinden. Wenn allein von Engagement „für" Flüchtlinge gesprochen wird bzw. dies stattfindet, besteht die Gefahr, dass die geflüchteten Menschen als reine „Hilfeempfänger" oder „-bedürftige" erscheinen.

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