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01.10.2015

"Es braucht Strukturen und Hauptamtliche, damit Ehrenamtliche gut arbeiten können."

In unserem Storytelling-Prozess haben uns 15 Mitglieder erzählt, was sie motiviert, was das Besondere an ihrer Arbeit in den Freiwilligenagenturen ist und welche Rolle die bagfa für sie spielt.

12 Geschichtspaten haben eine Story ausgewählt, die sie gerne teilen und diskutieren möchten.

Die ausgewählte Geschichte:

"Die tollsten Momente lassen einen spüren, dass die Leute, wenn sie quasi in der Beratung etwas gefunden haben, beim Rausgehen sagen: Wow! So etwas gibt es, so etwas Tolles kann man machen?! Diese Leute entzünden dann das Feuer in den anderen. Wir wissen dann, dass da gleich die Nachbarin anruft: Sie war da. Das will ich auch. Am schönsten finden wir diese begeisterten Menschen, die dann andere mit ihrer Begeisterung anstecken. Ich finde es schön, dass es sich lohnt, Menschen in der Beratung so zu überzeugen, dass sie voller Tatendrang nach Hause gehen und andere mit ihrer Begeisterung anstecken. Eine Empfehlung von zufriedenen Menschen, die selbst gute Erfahrungen gemacht haben, ist gar nicht hoch genug zu bewerten und besser als jedes Werbeplakat für das Ehrenamt.
 
Eine schöne Begegnung hatte ich neulich in der Beratung. Eine Frau kam spontan zu uns. Sie war noch ziemlich jung, Mitte 40 vielleicht, und teilte mir mit, sie sei MS-erkrankt. Sie sagte: „Ich komme jetzt einfach mal rein und ich weiß gar nicht ob ich es Ihnen sagen darf, aber ich bin kurz vor einer Depression, wenn ich nicht bald was mache.“ Wir haben uns eine Weile unterhalten und weil wir gerade jemanden gesucht haben, der bei uns im Büro mithilft, gerne mal telefoniert und bei den Organisationen nachfragt, ob ihre Angebote für Freiwillige noch aktuell sind, passte das super. Konnte ich mir für sie auch gut vorstellen. Ihr hat die Idee auch gefallen und sie wird jetzt wohl demnächst bei uns anfangen. Ich hoffe und denke, dass ihr das weiterhilft.

Es braucht Strukturen und Hauptamtliche, damit Ehrenamtliche gut arbeiten können. Ein gestresster Hauptamtlicher, dessen Situation ich auch verstehe, ist dann eben manchmal genervt, wenn wir dann so arg nachfragen: Wie ist das bei Ihnen? Wie ist es mit der Versicherung und gibt es Austauschmöglichkeiten? Dann kann es sein, dass die etwas verschnupft auflegen und sagen, dass sie sich das Ganze noch einmal überlegen. Umgekehrt kann es sein, wenn ich jemandem sage, dass er ein erweitertes polizeiliches Führungszeugnis braucht, wenn er mit Kindern aktiv werden will, dass der- oder diejenige sagt: Also, das ist ja Bürokratie hoch zehn! Das will ich auch nicht. Eben deshalb ist es so wichtig, dass wir einfach beide Seiten informieren, damit die nicht immer so quasi „aufeinander losgelassen“ werden, dieser Hauptamtliche mit den völlig überzogenen Erwartungen, aber auch der Ehrenamtliche, der halt denkt, er kann da einfach mal loslegen und mal so etwas tun. Wir empfinden es als sehr wichtig, dass wir die Erwartungen dabei aufeinander abstimmen können beziehungsweise Erwartungen eindämpfen, oder informieren können, wo es nottut."

Anmerkungen zur Geschichte von Sandra Joachim-Meyer
(Freiwilligenagentur Grafschaft Bentheim, Nordhorn)

Darüber möchte ich gern reden, weil...
... die Erwartungen an das Ehrenamt im Alltag manchmal nicht realistisch sind. Wir als Freiwilligenagentur arbeiten daran, dass die Rahmenbedingungen für bürgerschaftliches Engagement in Einrichtungen verbessert, die Freiwilligen wertgeschätzt und ihren Potenzialen und Wünschen gemäß eingesetzt werden. An der Geschichte wird deutlich, wie wichtig unsere qualifizierte Beratung und Rolle als Mittler und Experte für das Ehrenamt sind.

Wer hätte gedacht, dass...
... die Freiwilligenarbeit Menschen eine neue Perspektive und so viel Hoffnung gibt und dass eine Freiwilligenagentur tagtäglich wie selbstverständlich den Weg dorthin ebnet? Diese wichtige Aufgabe wird in der Öffentlichkeit oftmals zu wenig wahrgenommen.

Kontextspalte

Kontakt

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