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29.10.2015

Storytelling: Geld ist nicht das Maß aller Dinge

In unserem Storytelling-Prozess haben uns 15 Mitglieder erzählt, was sie motiviert, was das Besondere an ihrer Arbeit in den Freiwilligenagenturen ist und welche Rolle die bagfa für sie spielt.

12 Geschichtspaten haben eine Story ausgewählt, die sie gerne teilen und diskutieren möchten.

Die ausgewählte Geschichte:

"Das war in einem Heim für behinderte Menschen, die hatten wirklich gut mit Freiwilligen gearbeitet. Und dann kam ein neuer Geschäftsleiter. Und als der da begonnen hat – ich glaube, er hatte überhaupt keine Erfahrung in diesem Bereich -, hat er als Erstes mal alles umgekrempelt. Er hat Verträge mit diesen Freiwilligen gemacht und dann auch Teilentschädigungen eingeführt. Das hat zu einer ganz großen Unruhe geführt. Die Stimmung war total negativ. Die Freiwilligen haben dann ihre Entschädigung, die ihnen am Ende des Jahres überwiesen wurden mit den Stunden verglichen, die sie eingesetzt haben, und dann ist ja die Entschädigung eben eine Abwertung und keine Aufwertung. Relativ viele Freiwillige haben gesagt: 'Okay, dann höre ich jetzt hier auf'. Es gab dann ein recht großes Echo, und ich habe mich dann mit diesem Geschäftsleiter zusammen an den Tisch gesetzt, und wir haben versucht zu retten, was noch zu retten war. Am Anfang war der Prozess ein bisschen verhärtet, weil es keine ideale Ausgangslage ist, wenn jemand so scheitert. Aber er war doch so offen, dass er meine Punkte aufgenommen hat. Wir haben dann ein Anerkennungs-Konzept für dieses Haus erarbeitet, und das hat sich wirklich bewährt. Die arbeiten heute auch noch nach diesem Konzept."

Anmerkungen zur Geschichte von Birgit Bursee, Leiterin der Freiwilligenagentur Magdeburg und Vorstandsvorsitzende der bagfa.

Darüber möchte ich gern reden, weil...
... es hier um die Frage geht, ob ehrenamtliches Engagement mit Geld aufgewogen werden kann. Nicht nur in Geschäftsführungen, sondern auch in Politik und Verwaltung ist man oft der Meinung, dass Ehrenamtliche sich noch häufiger und umfangreicher engagieren würden, wenn sie dafür etwas Geld bekommen. Leider erleben wir - wie in diesem Beispiel - oft das Gegenteil.

Wer hätte gedacht, dass...
... Geld zum Problem werden kann. Aber wer engagierten Menschen im Seniorenheim oder im Nachbarschaftstreff, in der Kita oder im Kulturzentrum zuhört, wenn sie begeistert von ihren Engagement-Erlebnissen berichten, dann erkennt man schnell, dass Geld hier nicht das Maß aller Dinge ist. Nicht dass es keine Rolle spielen würde: Fahrtkosten- und andere Erstattungen sollten Normalität sein und eine gute fachliche Anleitung kostet Geld, Austauschtreffen und Weihnachtsfeier ebenso. Und wer sich um seine Existenz sorgen muss, greift nach jedem (Euro)-Strohhalm. Aber ...

Ich finde es schön, dass...
... es etwas in unserer Gesellschaft gibt, das sich nicht 1:1 in Euro umrechnen lässt (auch wenn es in der großen und kleinen Politik immer mal wieder versucht wird): und das ist der Wert ehrenamtlichen Engagements als Wert an sich, sowohl für jede/n Einzelne/n als auch für unsere Gesellschaft insgesamt. Ehrliche Anerkennung für etwas, das man gern für andere tut, erzeugt Glücksmomente, die sich viele Freiwillige nicht "abkaufen" lassen wollen. Dafür sollten sich auch Freiwilligenagenturen stark machen.

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Kontakt

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